Ziel und philosophische Ausrichtung

 

Die Philosophie ist diejenige Wissenschaft, welche die Antworten auf große Fragen wie „Hat der Mensch einen freien Willen?“, „Hat der Mensch eine Seele?“, „Gibt es einen Gott?“ oder „Gibt es Rechte und Pflichten unabhängig davon, was jemand glaubt, will oder befiehlt?“ oder auch „Was zeigt uns die Quantenmechanik über die Natur der Materie?“ sucht. Ziel und Aufgabe der IAP ist die Förderung der Philosophie – und nicht bloß der Philosophiegeschichtsschreibung, also der Untersuchung, welcher Philosoph was wann geschrieben hat. In der so verstandenen Philosophie werden wie in keinem anderen Fach das Denken, das klare und genaue Argumentieren, das Abwägen von Gründen und das Problemlösen systematisch geschult. Diese „transferierbaren Fähigkeiten“ sind auch außerhalb der philosophischen Forschung von großem Wert und Nutzen. Oft wird gerade im deutschen Sprachraum an den Instituten für Philosophie immer noch vorwiegend Philosophiegeschichte betrieben, Klarheit und Genauigkeit werden vernachlässigt.

 

Neben der Forschung zu den großen philosophischen Fragen geht die IAP auch Fragen nach, die praktische Bedeutung haben. Erstens philosophische Fragen zur Psychotherapie. Dabei befaßt sie sich besonders mit der von Viktor Frankl gegründeten Logotherapie. Zweitens philosophische Fragen zu Wirtschaft, Staat und Recht. Dabei berücksichtigt sie besonders die Österreichische Schule der Nationalökonomie und das Naturrecht. Die IAP will nicht nur in der Wissenschaft wirken, sondern die Philosophie auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen und zum Wohle der Allgemeinheit anwendbare Ergebnisse hervorbringen.

 

Die IAP schöpft besonders aus folgenden drei Traditionen:

 

1. Die realistische Phänomenologie, wie sie von Edmund Husserl (1859-1938), Alexander Pfänder (1870-1941), Max Scheler (1874-1928), Adolf Reinach (1883-1917), Dietrich von Hildebrand (1889-1977) und Roman Ingarden (1893-1970) betrieben wurde. Ferner fördert die IAP die Auseinandersetzung mit anderen deutschsprachigen, großenteils wenig bekannten realistischen Philosophen früherer Jahrhunderte, wie Christoph Scheibler (1589-1653), Christian August Crusius (1715-1775), Martin Knutzen (1713-1751), Johann Friedrich Herbart (1776-1841), Bernard Bolzano (1781-1848), I.H. Fichte (1796-1879) und Hermann Ulrici (1806-1884). Dank der Digitalisierung sind deren Texte heute leicht zugänglich. Wir haben dazu eine ständig wachsende, frei zugängliche Datenbank solcher Texte erstellt.

 

„Realismus“ meint hier nur die Annahme, daß es von unserem Denken unabhängige Gegenstände gibt, die zu erforschen möglich und lohnend ist. In diesem Sinne folgt die IAP dem Ruf: „Zurück zu den Sachen selbst!“, den die Realisten den Nominalisten entgegenhielten („Ad res ipsas!“) und den Edmund Husserl aufgegriffen hat. Das könnte eine Selbstverständlichkeit sein, doch gab es viele philosophische Bewegungen, welche sich von der Aufgabe der Beantwortung der philosophischen Fragen abgewandt und sich statt dessen andere Betätigungsfelder gesucht haben: Philosophiegeschichte, Geschichte, „Kulturwissenschaft“, „Gesellschaftswissenschaft“, „Humanwissenschaft“, Texte, Hermeneutik, Sprache, Begriffe, Semantik, Bewußtseinsinhalte, Sinnesdaten, Transzendentales oder Denkkategorien, und auch esoterische, unklare Schreibweise, wie sie im deutschen Idealismus aufkam. Viele Autoren haben sich insbesondere von der Metaphysik (z.B. den Fragen, „Hat der Mensch eine Seele?“, „Gibt es objektive Pflichten?“ oder „Gibt es einen Gott?“) abgewandt, indem sie behaupteten, ihre Fragen seien sinnlos oder unbeantwortbar. Die IAP widersetzt sich solchen Versuchen, das Forschen und das Fragen einzuschränken.

 

Der Leitsatz der IAP, „Die Wahrheit lieben, und zwar die ganze Wahrheit und die Wahrheit in allen Bereichen“ („Diligere veritatem omnem et in omnibus“), verpflichtet sie zur wissenschaftlichen Suche nach der Wahrheit und zur Suche nach den richtigen Methoden zur Wahrheitsfindung, im Unterschied zu Bewegungen, welche die Vernunft, das wissenschaftliche Abwägen und das klare und genaue Argumentieren und Schreiben geringschätzen oder sich von der Wahrheitssuche abwenden. Insbesondere die Postmodernisten, die viel einflußreicher sind als viele sich das vorstellen können, behaupten, es gebe keine Wahrheit, Wahrheit sei nur ein Machtinstrument, es gebe keine Wirklichkeit, usw. Die IAP widersetzt sich dieser anti-rationalen Rhetorik, die eine Strategie ist, um eine bestimmte politische Agenda voranzutreiben.

 

„Phänomenologie“ meint hier die dem Empirismus und dem Positivismus entgegenstehende These, daß wir nicht nur über die körperlichen Sinnesorgane Wissen über die Welt erlangen können. Moralische Wahrheiten und Wahrheiten über Möglichkeiten beispielsweise erkennen wir auf andere Weise. („Phänomenologie“ heißt, daß Erkenntnis durch Phänomene möglich ist, d.h. durch nicht durch die körperlichen Sinne erzeugte Bewußtseinsinhalte, in denen uns etwas so-und-so erscheint.)

 

2. Die Metaphysik, die Religionsphilosophie und der argumentative Stil der zeitgenössischen angelsächsischen Philosophie. Eine große Datenbank mit Texten aus der heutigen Forschung bietet PhilPapers.org.

 

3. Im Bereich der Philosophie der Psychologie: personalistische und existentiell orientierte Psychologie (Viktor Frankl, Rudolf Allers, Ludwig Binswanger).

 

Die IAP hat keine festgelegte philosophische Position, sie berücksichtigt aber folgende Auffassungen: nicht-reduktiver moralischer Realismus, materiale Wertethik (Naturrecht), die Existenz einer menschlichen Seele, Theismus (d.h. die Existenz des Schöpfergottes), menschliche Willensfreiheit. Die IAP ist an keine Kirche oder Konfession gebunden, ist aber für die christliche Offenbarung offen. In der Lehre legt die IAP Wert darauf, daß Studenten frei darin sind, welche Auffassungen sie vertreten, und daß allein die Qualität der Argumente benotet wird.

 

 

Organisation

Die IAP ist eine staatlich anerkannte private Hochschule im Fürstentum Liechtenstein. Ihre Unterrichtssprachen sind Deutsch, Englisch und Spanisch. Sie wurde 1986 im Fürstentum Liechtenstein gegründet. Von 2008 bis 2012 wurde an der IAP nur Forschung betrieben, es fand in Liechtenstein kein Lehrbetrieb statt. Seit 2013 wird ein Promotionsstudium angeboten. Außerdem bietet die IAP Seminare und Einzelunterricht an, die Studenten sich dank des „European Credit Transfer System“ (ECTS) an anderen Universitäten anrechnen lassen können. Promotionsstudium und Einzel-Tutorien können auch teilweise als Fernstudium absolviert werden.

 

Ein Partner der IAP Liechtenstein ist das Academia Internacional de Filosofía – Instituto der Filosofía Edith Stein in Granada. Es verwendet dieselbe Studienordnung.

 

Die IAP ist Mitglied im Verbund der Internationalen Bodenseehochschule, zu der 29 benachbarte Hochschulen in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein gehören. Studenten und Forscher der Mitgliedshochschulen können Bibliotheken, Mensen, Studienangebote u.a. der anderen Mitgliedshochschulen nutzen, z.B. Universität Konstanz und Universität Zürich.

 

Die IAP hat folgende Leitungsorgane: Stiftungsrat, Hochschulrat (er hat die Funktion eines wissenschaftlichen Beirates, überwacht die Qualität von Lehre und Forschung und hat Mitsprache beim Beschluß der Studienordnungen und der Berufung von Dozenten), und jeder Campus hat einen Direktor.

 

 

Methode

Die Lehre an der IAP verwendet vor allem die unübertroffene, an den Universitäten Oxford und Cambridge von jeher übliche Methode der Einzeltutorien („tutorial system“). Vorlesungen, Seminare und Disputationen (Streitgespräche mit verteilten Rollen) werden ergänzend angeboten, wo dies sinnvoll ist. Vorlesungen sind für viele Zwecke eine ineffiziente Lehrmethode, sie haben den Nachteil, daß der Student die Geschwindigkeit nicht steuern kann und daß kaum Interaktion mit dem Dozenten stattfindet. Sie eignen sich deshalb nur als Ergänzung des Einzelunterrichts, besonders in der Form der wissenschaftlichen, argumentativen Vorlesung, in welcher der Dozent nicht bloß verschiedene Auffassungen darstellt, sondern seine Auffassung verteidigt und den Zuhörern zur Diskussion stellt. Ein Tutorium läuft so ab, daß der Student in jeder Sitzung den Auftrag bekommt, bestimmte Texte zu lesen und einen Aufsatz zu schreiben, welche eine bestimmte philosophische Frage beantwortet, der dann in der nächsten Sitzung besprochen wird. Die Sitzungen dauern eine Stunde und finden im Abstand von ein bis vier Wochen statt. Nachfragen können effizient per Epost oder mündlich mit dem Dozenten geklärt werden. Lernen durch Einzeltutorien hat folgende Vorteile:

 

  • Aktives Lernen statt bloßes Zuhören.
  • Gründliches Training im Schreiben von Aufsätzen.
  • Der Dozent dient nicht nur dazu, Inhalte vorzutragen, sondern kann den Studenten anregen, korrigieren, herausfordern, motivieren.
  • Der Student ist nicht auf die Wahl der gerade angebotenen Lehrveranstaltungen beschränkt, sondern kann jederzeit jedes beliebige Thema studieren, das einer der Dozenten beherrscht.
  • Volle Anpassung der Inhalte und der Geschwindigkeit, des Niveaus und des Leistungsanspruchs an die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Studenten.

 

Während früher Studienleistungen nach Semesterwochenstunden berechnet wurden, erlaubt das „European Credit Transfer System“ (ECTS) heute die richtige Bemessung der in Tutorien erbrachten Leistungen, weil die geschätzten Arbeitsstunden des Studenten berechnet werden. Ein ECTS-Punkt entspricht 30 Arbeitsstunden eines normalen Studenten. Für einen Aufsatz von 3000 Wörtern Länge beispielsweise werden ein bis zwei ECTS-Punkte vergeben.

 

 

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